15 Jahre ICA - Eine Betrachtung zur Firmengründung 1990

 

Eine Betrachtung zur Gründung der Firma ICA - Dr. Uhlig
Anlässlich des 15 jährigen Firmenjubiläums am 6. Juni 2005

Vortrag wurde am 6.Juni 2005 im Anderson Hotel durch Dr. Uhlig gehalten.

Die Gründung einer Firma durch Herrn Uhlig war ein längst überfälliges Ereignis im Jahr 1990.

Abschlüsse und Ideen lagen immerhin genügend vor. Es konnte so nicht weitergehen. Schließlich hatte man das 30. Lebensjahr überschritten und zog neben seiner geregelten Arbeit im Kabelwerk in Berlin immer noch durch die Hörsaale und Seminarräume. Es musste etwas geschehen und dieses geschah im Jahr 1989. Es wurde nicht nur die Doktorarbeit im Herbst des Jahres 1989 geschrieben. Die Situation im Land veränderte sich. Die Menschen waren nicht mehr bereit vorgegebene Wege zu gehen.
Es deutete sich ein wirtschaftlicher und sozialer Zusammenbruch an.
So galt es mit dem sich darstellenden Neuanfang auch einen eigenen wirtschaftlichen Neuanfang zu beginnen und den Traum einer wirtschaftlichen Selbstständigkeit zu verwirklichen. Aber die Probleme lagen nicht im Wollen sondern oft in der Situation begründet.
Täglich veränderten sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Alte Reglungen wurden nicht mehr angewendet und neue Bestimmungen waren noch nicht in Kraft. Das hatte seine Vor- und auch seine Nachteile. Viele Aktivitäten funktionierten so nur in diesem Zeitraum.
Zur Umsetzung des eigenen Traumes waren natürlich bestimmte Vorraussetzungen zu realisieren.
Bereits am 27.2.1990 wurde ein Antrag auf einen ERP-Kredit bei der Genossenschaftskasse für Handwerk und Gewerbe in Oranienburg gestellt. Bis zur Auszahlung des Kredites im Juli 1990 verging noch einige Zeit mit Vorhabensbeschreibungen, Rentabilitätsbetrachtungen und dgl.
Weiterhin mussten beim Außenhandelministerium der DDR Einfuhrgenehmigungen für Computerprodukte beantragt werden.

Für ein Gewerbe benötigt man natürlich auch Geschäftsräume. Dazu wurden zunächst die vorhandenen Räumlichkeiten genutzt. Das erforderte natürlich weitere Genehmigungen und zwar der Arbeitsschutz und der Hygieneverwaltungen. Diese Genehmigungen wurden nach Besichtigung der Räumlichkeiten auch erteilt.

Ebenso mussten Kontakte und Verbindungen geknüpft werden.
Zum einen wurden Kontakte gesucht über die Mittelstandsvereinigung der CDU, hier ging es speziell um Erfahrungen von ähnlich gelagerten Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland.
Zum anderen suchte ich Verbündete im näheren Umfeld. Es war eine Zeit in der sich viele Menschen beruflich neu zu orientieren versuchten.
Im Frühjahr 1990 fuhr Herr Strachotta, ein Schulfreund und Geschäftspartner, mit einem Wartburg-Tourist mehrere Kanister Benzin, etwas Verpflegung und noch weniger Westgeld über Marienborn/Helmstedt auf Erkundungsfahrt. Adressen hatten wir von der Mittelstandsvereinigung der CDU und brieflich hatten wir unseren Besuch bei den Firmen, Gesellschaften und wirtschaftlich tätigen Personen vorher angemeldet.

Kunden für Computertechnik gab es, aber das Problem war die Beschaffung der Geräte.

Was heißt Beschaffung ?
Das Problem der Beschaffung lag in der nicht vorhandenen D-Mark.

Es mussten andere Wege gegangen werden.

Ein Unternehmen aus Trier erklärte sich nach kurzen Gesprächen und persönlichem Kontakt bereit Komponenten für eine begrenzte Anzahl von Computern zu liefern. Die Lieferung erfolgte im Mai 1990 und eine Zahlung sollte zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Es gab zu diesem Zeitpunkt wenige Möglichkeiten:
In einem Schreiben des Rates des Bezirkes am 5.6.1990, was der Tag der Geschäftseröffnung war, wurde mir folgendes mitgeteilt:

"Auf der Grundlage der Preisbasis in den Lieferverträgen erfolgt die Rechnungslegung durch den ausländischen Vertragspartner zu Verrechnungspreisen in Mark der DDR, die keine Valutaverbindlichkeiten auslösen.
Der Zahlungsausgleich wird in Mark der DDR auf Konten von Geld- und Kreditinstituten der DDR zu Gunsten der ausländischen Vertragspartners vorgenommen."

Wenig später hieß es zu den ERP Krediten, welchen ich bereits am 27.Februar 1990 beantragt hatte:
"Die in DM gewährten Kredite sind auch in DM zu verzinsen und in DM zurückzuzahlen."
In Ausnahmefällen ließ man eine Umrechnung von 1 DM = 4,40 Mark der DDR zu.


Das mit dem Geld war natürlich eine heiße Kiste, das erkannten auch Andere.
Die Lösung kam mit der Wirtschafts- Währungs- und Sozialunion im Sommer 1990 und damit wurden auch die beantragten ERP Kredite ausgezahlt.

Doch was geschah mit den Lieferungen der Firma aus Trier im Mai und Juni 1990 ?

Die Waren wurden per Spedition nach Westberlin geliefert. Die Information, dass die Lieferung in Trier abging erfolgte per Telegramm.

Die Ware mussten bei der Spedition in Westberlin abgeholt werden und offiziell über die Grenzkontrolle in die DDR eingeführt werden. Da kein Telefon vorhanden war gab es nur die Möglichkeit mit der Spedition in folgender Weise in Kontakt zutreten:

1. Hinfahren und nach dem Eingang der Ware sich erkundigen oder
2. Zu einer Telefonzelle in Fronau zu fahren und zu telefonieren.

Diese Art Telefonaktionen zogen sich lange hin. Es wurden alle Probleme (Warenbestellungen, technische Anfragen, Absprachen, u.a.) des Tages gesammelt und einmal am Tag zur Telefonzelle gefahren. So war es schon mal ein herber Verlust als ich meinen Visitenkartenordner bei einer dieser Aktionen verlor.

Die so erhaltenen Computerkomponenten wurden nicht wie bei Bill Gates in der Garage, sondern bei Uhlig im Keller konfektioniert, erprobt und ein Zertifikat ausgestellt. Die fertigen Geräte wurden dann an die Kundschaft geliefert.

Nach der Wirtschafts- Währungs- und Sozialunion und dem dann erhaltenen ERP-Kredit begann dann der Bau eines Laden- und Büroraumes. Am 1. Dezember 1990 konnte dann dieser erste Ausbau der Firmenräume feierlich eröffnet werden.

Ab 1990 bestanden neben dem Vertrieb von Computertechnik, Computerzubehör und Büromaterial ein wichtiger Schwerpunkt im Vertrieb eines eigenen Softwareproduktes für den Handwerksbereich und die Schulung im Softwarebereich.

Aber das Telefon war noch nicht in Sicht.

Im Jahr 1990 gab es in Birkenwerder noch über 2000 nicht realisierte Telefonanträge, die ältesten von 1965. Darunter waren auch Anträge von höchster Dringlichkeit.
Erst im Jahr 1991 änderte sich die Situation mit dem Aufbau eines neuen Netzes durch die Telekom. Im Jahre 1994 wurde dann auf ISDN umgestellt. Aber nicht nur im Bereich der Kommunikation entwickelte sich die Firma.

Ab 1992 wurden weitere Mitarbeiter eingestellt. Kontakte zur Firma Triumph Adler in Nürnberg hergestellt.
Die wirtschaftliche Situation 1992 ließ eine Expansion der Firma zu. Am 6.August 1992 wurde im Krause Markt in Velten eine Filiale eröffnet.

Doch bereits 1993 zeigten sich die ersten Probleme, es begann eine Stagnation. Es musste umgedacht werden. Die Erfahrungen der ersten wirtschaftlichen Jahre galten nicht mehr. Wer hier nicht in einem angemessenen Zeitraum reagierte oder reagieren konnte den bestrafte das Leben.
Auf Grund der Rückläufigen Umsätze im Verkaufsbereich musste im Sommer 1993 die Filiale in Velten geschlossen werden.

Aber das war nicht die einzige negative Erfahrung.
Aber trotz wirtschaftlicher Probleme wurde weiter an der Zukunft der Firma gearbeitet.

1993 wurde in der Firma erstmals mit der Ausbildung eines Lehrlings begonnen. In der Folgezeit wurden weitere AZUBIS eingestellt. Heute bilden wir den 8. Azubi aus.
Das Unternehmen ICA - Dr. Uhlig ist seit 1999 anerkannter Ausbildungsbetrieb der IHK. Ich selbst, arbeite in diesem Ausbildungsbereich seit 1999 im Prüfungsausschuss der Kammer Potsdam.

Neben den normalen Geschäftsabläufen in der Firma gab es auch immer wieder Höhepunkte in Form von Hausmessen, eine Beteiligung an der Wirtschaftsschau in Oranienburg in den Jahren 1994 und 1995.
Im CAD-Bereich beteiligte sich die Firma ICA - Dr. Uhlig auch an einem Gemeinschaftsstand auf der CeBit in Hannover. Diese Aktivität sollte eine Positionsfestigung im Bereich der Vermarktung des Produktes MEGACAD erbringen. Das war leider auch ein Trugschluss.
Aber die Erfahrung Cebit in bezug auf Vorbereitung, Ablauf und Realisierung ist ein bleibender Wert für das Unternehmen.

Im Jahr 1997 wurden die Firmenräumlichkeiten ein weites mal erweitert. Damit entstanden für die Mitarbeiter verbesserte Arbeitsbedingungen. Dieser Bauzustand entspricht dem heutigen Erscheinungsbild.

Ein Fazit dieser Jahre:

Nicht nur Mut zum Beginnen ist notwendig, es bedarf auch der nötigen Unterstützung von Familien und Freunden um Erfolge und Rückschläge zu verarbeiten und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Zum positiven Gelingen bedarf es treuer und zufriedener Kunden. Damit möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken.